Seillaufen-Lehrgang in den Waldorfschulen

Nach den Osterferien konnte man beim Betreten des Schulhauses eines ungewöhnlichen Unterrichts gewahr werden. Eine kleine Gruppe von Schülern der damaligen vierten und fünften Klasse machten unter Anleitung von Herrn Bermann ihre ersten Erfahrungen auf dem Schlappseil. Die Klassen waren in Gruppen aufgeteilt, so dass an den zwei gespannten Seilen vor dem Eingang der Unterstufe immer vier bis fünf Kinder ein Seil zur Verfugüng hatten. Wurde im Foyer geübt, halbierte sich die Übzeit, da nur ein Seil zur Verfügung stand. Die übrigen Schüler der Klasse hatten regulären Unterricht. So stellte das Schlappseillaufen ein zusätzliches Unterrichtsangebot dar, das die Eltern der Klassen gesondert mitfinanzierten.
Sehr geehrte Damen und Herren - Lehrer und Eltern!
 
Ihre Kinder können Seiltanzen lernen (Sie können das auch). Diese Fähigkeit prägt sich für das ganze Leben ein (wie das Schwimmen). In einer Woche (ohne Unterbrechung des normalen Schulunterrichts) wird die ganze Klasse zu Seiltänzern. Wie das zu erreichen ist, können Sie aus dem Artikel der Klassenlehrer der Freien Waldorfschule Elmshorn Herrn
Christoph Fucke und Herrn Gebhard Nagel erfahren. Lesen Sie bitte auch das Gutachten der Schulärztin Frau Hanna Piaskovski.
 
Alexander Bermann,
Sportlehrer Methodiker, Meister des Sports der UdSSR in Ski Wanderung

 
E-Mail: sberman@web.de
 
Kl. Gärtnerstr. 15
D-25335 Elmshorn

Eine ca. vier Meter lange Stange ermöglichte jedem Schüler einen sicheren Aufstieg auf das Seil. Nach kurzem Üben gelang es allen Schülern, noch mit einem Stangenende am Boden sich abstützend, sicher auf das Seil auf- und auch wieder abzusteigen. Im nächsten Übschritt musste man auf dem Seil stehend, mit den Stangenenden abwechselnd links und rechts und immer nur einmal, den Boden berühren. Wie lange man dazwischen das Gleichgewicht halten konnte, blieb der Geschicklichkeit des Einzelnen überlassen.
 
Nach intensiver Übphase kam nun der spannende Moment des ersten Schrittes. Auf das Seil steigen, frei stehen und dann die sich vorgenommene Schrittzahl vorwärts und rückwärts zu bewältigen, um dann sicher, d.h. geführt, wieder abzusteigen, das galt es nun zu leisten. Schnell waren die Tage vergangen, als dann am Freitag in der vorläufig letzten Übeinheit mit Herrn Bermann ein breiter Strom mit gefährlichen Raubtieren überquert werden musste. Für jeden, der Gelegenheit hatte, die Schüler bei ihrem Üben zu beobachten, war beeindruckend, mit welcher Konzentration jeder Einzelne zu Werke ging. Fur jeden, der sich schon selbst in diesem Tun versuchte, eine beeindruckende Erfahrung, wie stark man sich in sich versammelt (den Blick durch einen Punkt in die Unendlichkeit gerichtet), in sich suchend die Aufrechte spürt und bei der kleinsten Unaufmerksamkeit, der kleinsten Nachlässigkeit in der Körperhaltung sofort von den Kräften der Gravitation unbestechlich belehrt wird.
 
Großes Lob sprach Herr Bermann unseren Schülern aus. So geschickt, schnell lernend, konzentriert und doch freudig bei der Sache, hatte er noch keine Schulklasse erlebt. Diese geübte und erlebte Fähigkeit, sich auf den Punkt konzentrieren zu müssen, kann den Schülern sicherlich in vielen Bereichen immer wieder hilfreich werden, um zukünftige Anforderungen zu bewältigen. Wir hoffen, dass aus den gewonnenen positiven Erfahrungen in Zukunft möglichst vielen Schülern die Möglichkeit gegeben werden wird, das Seillaufen zu erlernen. Über weitere von den Klassen organisierte Übeinheiten hinaus, wird Herr Bermann Kurse für Kinder, Jugendliche und auch für Erwachsene anbieten.

 
Christoph Fucke, Gebhard Nagel
 
 
 
  • Gutachten der Waldorf-Schulärztin über das Seillaufen
     
  • Die Kinder und Lehrer aus Bonn und Nürnberg erzählen...
    (mit vielen Fotos von Stefan Hößle!)
     
  • Organisatorische Einzelheiten
     
  • Brief der Mutter eines Schülers
     
  • Seillaufen im Himalaya
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